Haben Sie auch schon unser verblüffendes Foto der Woche mit dem Titel "Sexy Veg" bestaunt und sich gefragt, wie der Fotograf das wohl gemacht hat? Sie müssen nicht länger rätseln. Janne Hellmann hat uns verraten, wie er seine witzige Idee umgesetzt hat.
"Mein Studiosetup für dieses Bild war sehr improvisiert, da mir die Idee mit dem Reißverschluss keine Ruhe ließ und ich sie deshalb unbedingt noch 12 Uhr nachts umsetzen musste. Also habe ich genommen, was ich gefunden habe.
Neben einem normalen Reißverschluss hatte ich ein paar Tage zuvor noch ein weißes Stück Stoff gekauft, um mir daraus eine Hohlkehle (ein gewölbter Hintergrund, der in der Studiofotografie zur Vermeidung störender Raumlinien eingesetzt wird, Anm. d. Red.) zu basteln. Dazu habe ich den Stoff in meinem Wohnzimmer einfach mit ein paar Wasserflaschen auf dem Couchtisch und dem Boden fixiert.
Mein Lichtsetup beinhaltete einen Deckenfluter, bestehend aus einer Glühbirne von 40 Watt sowie drei weiteren Glühbirnen von jeweils 15 Watt. Diese habe ich mit Backpapier abgeschattet, um schöne weiche Schatten zu bekommen. Normalerweise ist so ein Lichtsetup natürlich viel zu dunkel, aber mit einer längeren Belichtungszeit von z.B. 13 Sekunden kann man das wunderbar ausgleichen. Um möglichst rauschfreie Aufnahmen zu bekommen, habe ich ISO 100 verwendet. Die Blende lag bei 11. Außerdem habe ich den A-DEP-Modus (A-DEP steht für "Auto-Depth of Field", also Schärfentiefenautomatik, Anm. d. Red.) gewählt, um eine größtmögliche Schärfentiefe zu erzielen. Ich habe für die einzelnen Aufnahmen kein Stativ verwendet, sondern die Kamera einfach auf dem Boden platziert, da das Motiv, der Kohlrabi, ja auch auf dem Boden lag. Allerdings habe ich die Spiegelvorauslösung und einen Kabelauslöser zur Vermeidung von Verwacklungen benutzt.
Nachdem das Bild von dem aufgeschnittenen Kohlrabi im Kasten war, habe ich den Reißverschluss mit ein paar Pinnadeln auf dem Kohlrabi fixiert. Bei der anschließenden Aufnahme habe ich darauf geachtet, dass ich genau die gleichen Aufnahmeeinstellungen wieder verwende, um ein möglichst identisches Ergebnis zu erhalten.
Die Retusche in Photoshop war relativ einfach. Zunächst habe ich den Reißverschluss grob ausgeschnitten und dann die Zähne mit Hilfe des Radiergummi-Werkzeuges sauber freigestellt. Bei einer Auflösung von 15 Megapixeln macht das wirklich Spaß. Im nächsten Schritt galt es, den Reißverschluss für den Kohlrabi in Form zu bringen. Da mir der Verflüssigen-Filter leider nicht zur Verfügung stand (Photoshop 6.0), musste ich dies über Verzerren und Transformieren lösen. Ein wenig hat auch das Wischfinger-Werkzeug dazu beigetragen. Als nächstes musste der Reißverschluss sauber in Form gebracht werden, wo er zuvor nur grob ausgeschnitten wurde. Mein erster Versuch mit Radiergummi und Grafiktablett ist kläglich gescheitert, da das Ergebnis nicht so sauber war, wie ich es wollte. Also habe ich mit dem Pfad-Werkzeug Konturen angelegt, die ich absolut exakt in Form bringen konnte. Diese dienten mir dann als Auswahl, um den Reißverschluss von unnötigen Pixeln zu befreien. Dort, wo noch etwas von den Pinnadeln bzw. zu wenig Textil zu sehen war, kam das Stempel-Werkzeug zum Einsatz.

Anschließend musste ich mich noch dem unteren Bereich des Reißverschlusses widmen, um die perspektivische Wirkung besser heraus zu arbeiten und so den Eindruck entstehen zu lassen, als ob der Reißverschluss bis tief unter den Kohlrabi läuft. Hierfür habe ich einfach einen Teil des Reißverschlusses in eine neue Ebene kopiert und diese entsprechend verzerrt. Danach habe ich nicht benötigte Bildinformationen einfach wegradiert. Im unteren Bildbereich habe ich zudem noch ein wenig mit Schwarz und geringer Deckkraft farbig nachbelichtet, um den Schatteneffekt zu intensivieren. Für einen stärkeren dreidimensionalen Eindruck habe ich weitere Schatteneffekte an den "Nahtstellen", also den Übergängen von Reißverschluss und Kohlrabi, erzeugt.
Danach habe ich alles auf eine Ebene reduziert und an den Nahtstellen mit dem Wischfinger-Werkzeug ganz minimal hin und her gewischt, damit es nicht zu perfekt aussieht. Mit dem Kopierstempel habe ich außerdem noch das verwelkte Blatt sauber geschnitten. Abschließend habe ich die Tonwertkorrektur angewendet, um den Gelbstich zu beseitigen.
Die letzten Schritte bestanden darin, die Arbeitsfläche zu vergrößern und den Hintergrund zu kopieren und zu strecken, um die so neu gewonnene Fläche zu füllen. Ein paar letzte Stempelarbeiten haben die restlichen Verunreinigungen im Bild entfernt. Hierbei war es sehr hilfreich, eine Einstellungsebene mit einer Tonwertkorrektur zu verwenden. Ich habe den mittleren Regler sehr weit nach rechts geschoben, wodurch sehr viele Bildinformationen sichtbar geworden sind, die zuvor nicht zu sehen waren."
