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Tiefenwirkung


Viel Wind wurde in der letzten Zeit um die 3D-Kamera Fujifilm FinePix REAL 3D W1 gemacht. Da die meisten unter uns aber weiterhin bei zweidimensionalen Fotos bleiben werden, werden hier aus Anlass des 3D-Wahns jene "Regeln" aufgelistet, aus denen unser Gehirn Tiefeninformationen bezieht, wenn es monokular, also mit nur einem Auge arbeitet. Denn der gleiche Mechanismus macht es uns möglich, auch in Fotos mehr als nur eine zweidimensionale Fläche zu sehen.

 Alle Abbildungen können durch Anklicken vergrößert werden.

 

Vordergrund – Hintergrund
 

Was sehen Sie hier?

Einen Kreis und ein Quadrat.
Warum eigentlich? Kann das nicht auch ein 3/4-Kreis sein, der auf die Ecke des Quadrats gehängt ist? Unser Gehirn ergänzt, was das Auge nicht sieht. Und es sagt uns: Das ist ein Kreis, teilweise verdeckt von einem Quadrat. Obwohl die Abbildung auf dem Bildschirm zweidimensional ist, wird uns Tiefe vorgegaukelt. Einfach, weil das Gehirn an zweidimensionale Bilder nicht glaubt. Unser Gehirn will Tiefe sehen und deutet sie in alles hinein, was entsprechende Hinweise liefert. In der Fotografie geht es darum, Bilder so zu gestalten, dass dem Gehirn diese Mittel geliefert werden.
 

 

Gewohnte bzw. relative Größe
 

© Galyna Andrushko - Fotolia.com
 
© pmphoto - Fotolia.com

Bäume, Menschen, Autos oder Einfamilienhäuser haben typische Größen. Wenn diese in einem Kontext stehen, also in einer Umgebung, kann für diese Umgebung ein Größenverhältnis gesetzt werden. Ein schöner weißer Sandstrand mag ja ganz nett sein. Ohne eine menschliche Gestalt in der Ferne hätten wir aber nichts, woran wir die Weite der Szenerie festmachen könnten.

Eine weitere Information über die Tiefe des Raumes liefert die Größe eines Objekts auf dem Bild. Ist es nah, erscheint es groß, ist es weit weg, erscheint es klein. Ein Tiefeneindruck kann auf Fotos durch zwei ähnlich große Objekte erzeugt werden, von denen eines (groß) im Vordergrund und eines (klein) im Hintergrund zu sehen ist. Der Größenunterschied zwischen diesen beiden macht eine Distanz deutlich.

Es müssen aber nicht unbedingt zwei Objekte sein. Auch ein Objekt, das sich in die Tiefe hineinzieht, genügt. Wie breit bzw. groß Objekte wie "Straße" oder "Zaun" durchschnittlich sind, wissen wir alle ungefähr. Wenn solche Objekte im Vordergrund beginnen und in der Ferne klein werden, ist auch hier eine Distanz und damit eine Tiefe im Bild deutlich sichtbar.

Dieser Effekt ist eine gute Überleitung zum nächsten Punkt, der Perspektive.
 

 

Fotolia.com

Perspektive

Der Einbau von Fluchtlinien, die in einem (imaginären) Punkt zusammenlaufen, ist wohl das bekannteste Mittel zum Erzeugen einer Tiefenwirkung. Allein ihre Anwesenheit wird vom Gehirn in Tiefe umgedeutet. Wenn wir das Bild eines Tischs sehen, der schräg von oben und von der Seite fotografiert wurde, wissen wir, dass wir keinen verzerrten Rhombus sehen, sondern einen rechteckigen Tisch, der sich in den  Raum erstreckt.

Diese perspektivischen Linien kann man nutzen, um die bekannte Größe im Vordergrund in den Hintergrund zu übertragen.
Ohne Perspektivlinien hat man keine Information darüber, in welchem Größenverhältnis Mensch und Dino stehen. Der Dino könnte ja auch erhöht stehen und genauso groß sein wie der Mensch. Doch unter Zuhilfenahme der Perspektivlinien klärt sich das Größenverhältnis auf. Reale Linien, die dem Fotografen zur Verfügung stehen, sind meistens an Gebäuden zu finden.
Das Prinzip kann man aber auch umdrehen und als Grundlage für eine optische Täuschung verwenden. Mit kleiner Blende (also großer Blendenzahl) kann man eine durchgehende Tiefenschärfe erzeugen und Dinge zueinander in Bezug bringen, die sich eigentlich weit weg von einander befinden. So kann man z.B. die untergehende Sonne auf dem Finger balancieren.
Auf diese Weise sind übrigens viele UFO-Fälschungen entstanden: Einfach ein rundes Objekt wie einen Frisbee werfen (lassen) und mit einigen Bäumen oder Häusern "darunter" fotografieren, während das Objekt vom Standpunkt des Fotografen aus über dem Horizont schwebt. Durch den Mangel an Information über die Entfernung schnappt sich das Gehirn die nächstbeste Fixgröße – also die Häuser oder die Bäume. Nun sieht es so aus, als ob ein großes Objekt über der Landschaft schwebt. Es ist allerdings notwendig, das runde Objekt aus einem Winkel zu erwischen, aus dem man es nicht sofort erkennt. Sonst bedient sich das Gehirn aus der Erinnerung und bestimmt die Skalierung anhand der gewohnten Größe (s.o.). Wichtig dabei ist, wie gesagt, dass die Schärfe vom Vordergrund bis in den Hintergrund gleich bleibt.
 

 

Tiefenschärfe

Apropos Tiefenschärfe: Auch sie kann nützlich sein, um gefühlte Räumlichkeit auf Fotos zu erzeugen. Wenn wir etwas mit unseren Augen fokussieren, verschwimmt der Rest in unserer Wahrnehmung. Fokussieren Sie z.B. ein kleines Objekt in ca. 3 m Entfernung wie eine Türklinke, das Blatt einer Topfplanze oder eine Steckdose. Oder konzentrieren Sie sich auf einen sehr kleinen Punkt auf Ihrem Schreibtisch – einen Buchstaben oder einen Krümel. Nun achten Sie, ohne den Blick von diesem Punkt abzuwenden, auf die Umgebung des Objekts. Das Umfeld des fokussierten Punktes wird mit zunehmender Entfernung immer unschärfer. Das hat alles seine Richtigkeit, denn die Bereiche unseres Sehfelds außerhalb des scharfsehenden Bereichs sind in erster Linie für das Registrieren von Bewegungen zuständig – ein kleines Erbe der Vorzeit, als wir uns noch vor sich anschleichenden Säbelzahntigern in acht nehmen mussten. Doch in der Fotografie ist das ein Problem. So erscheint uns ein Motiv während des Fotografierens in der Szenerie, also in live, absolut dominant, da wir unsere Aufmerksamkeit darauf gerichtet haben. Doch ein kleines Foto betrachten wir mit anderen Maßstäben.

© Kzenon - Fotolia.com

Der Gegenstand "Foto" ist selbst ein kleiner Punkt, den wir fokussieren – und solange es nicht eine Abbildung in der Größe 1:1 zeigt, nehmen wir alle darauf abgebildeten Objekte als gleichwertig wahr. Aus diesem Grund entstehen oftmals Fotos, die zwar das geplante Motiv in aller Schönheit zeigen, aber auch viel von Umgebung und Hintergrund, die wir während des Fotografierens ausgeblendet haben – mit dem Ergebnis, dass das Foto wie eine einzige, überladene Fläche wirkt.
Um ein Motiv zu isolieren und es von seiner Umgebung zu lösen, können wir in der Fotografie durch eine große Blende (kleine Blendenzahl) den Vorder- oder Hintergrund verschwimmen lassen. So wird der Effekt der isolierten Wahrnehmung des Motivs imitiert.
 

 

© ArnLay - Fotolia.com

Atmosphärische Perspektive oder Sättigung

Hier kommen wir in den Bereich der Kategorie "richtig weit weg". Ferne Objekte sind weniger stark gesättigt, haben also weniger kräftige Farben und einen niedrigeren Kontrast. Vor allem die Rottöne werden durch die Wasserpartikel in der Luft gefiltert, so dass weit entfernte Berge oder Gebäude oftmals einen leichten Stich Richtung Pastellgrün/ Pastellblau haben. Diesen Effekt hat man im morgendlichen Nebel auch bei näher positionierten Objekten, so dass sich diese Stunden mit schlechter Sicht für Fotos mit großer Tiefenwirkung nutzen lassen. Auch eine kleine Nachbearbeitung mit einem Grafikprogramm kann helfen.

 
   
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