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STANDPUNKT: 12-Megapixel-Trend = Datenmüll?

28.08.2007

Unter der Rubrik STANDPUNKT möchten wir unsere User zu einer Diskussion einladen. Der hier vorgestellte Artikel gibt die Meinung eines unserer Redaktionsmitglieder wieder. Gerne würden wir erfahren, ob Sie ihm zustimmen oder widersprechen.


Nun ist sie da: die neue 12-Megapixel-Generation der Kompaktkameras. Bleibt die Frage, für wen sind solche Kameras gut und halten sie auch das, was die Hersteller versprechen?

Als erstes muss klargestellt werden, dass viele Megapixel nichts mit höherer Bildqualität zu tun haben. Für Standardausdrucke der Formate 9x13 oder 10x15 cm reichen selbst Auflösungen von 2 oder 3 Megapixel aus. Und auch mit 6 bis 8 Megapixel sind noch Ausdrucke im kleineren Posterformat ohne großen Qualitätsverlust möglich. Um internettauglich zu sein, sind noch wesentlich weniger Megapixel nötig.


Frisch eingetroffen: Zur Cybershot W200, dem
12-Megapixel-Modell von Sony, gibt es erste Tests



Wozu also 12 Megapixel? Bei einer höheren effektiven Auflösung können nachträglich kleinere Bildausschnitte gewählt werden, ohne dass diese "verpixelt" wirken. Dadurch ist ein größerer Bearbeitungsspielraum der Aufnahmen gegeben. Auch Poster im Großformat können mit einer höheren Auflösung realisiert werden. Das Problem allerdings besteht darin, dass in kleinen Taschenkameras nicht viel Platz für einen großen hochwertigen Sensor bleibt. Oftmals ist es der Fall, dass ein Nachfolgermodell einer Digitalkamera mit einem Sensor identischer Größe ausgestattet wird, nur die Anzahl der Megapixel, die sich auf diesen Sensor quetschen müssen, wird erhöht. Ein großer Sensor ist aber wichtig, um die vielen Megapixel mit genügend Licht zu versorgen. Bei geringer Sensorfläche ist der einzelne Pixel zwangsläufig kleiner und wird somit mit weniger Licht versorgt, als dies bei einem größeren Pixel der Fall ist. Das Resultat ist ein höheres Signal-Rauschverhältnis, dem mit starken Rauschunterdrückungsfiltern entgegen gewirkt werden muss. Dies geht natürlich auf Kosten der Detailfülle, steht also dem Sinn einer erhöhten Megapixelanzahl entgegen. Hinzu kommt, dass durch die Versorgung mit weniger Licht pro Pixel die Kamera automatisch eine höhere ISO-Empfindlichkeit wählt, wodurch starkes Rauschen noch weiter unterstützt wird.




Sensorgrößen im Vergleich



Eine weitere nicht zu unterschätzende Folge des Megapixelwahns kommt zu Tage, wenn man bedenkt, dass man dank der digitalen Technik nahezu unbegrenzt Fotos schießen kann. Während man sich bei der analogen Technik noch bei jedem Bild Gedanken darüber machen musste, ob es lohnt auslösen, wird mit Digitalkameras geknipst, was das Zeugt hält. So ist es keine Seltenheit aus dem Urlaub mit rund tausend Schnappschüssen zurückzukehren. Dies bedeutet bei einer ungefähren Dateigröße von 8 MB bei voller 12-Megapixel-Auflösung und höchster Qualitätsstufe, dass man mal eben 8 Gigabyte Fotos mit nach Hause bringt. Da die höhere Auflösung in den meisten Fällen eben nicht mit einer Verbesserung der Bildqualität einhergeht, sammelt sich so der Datenmüll auf Deutschlands Computern. Vielleicht ist manchmal weniger mehr?



Eine weitere 12-Megapixel-Kompaktkamera und
ebenfalls schon getestet: Die Panasonic Lumix FX100

                                                                                            

Wenn man nicht gerade den Großteil der Urlaubsbilder im Großformat drucken lassen möchte, ist es sinnvoller beim Kauf einer kompakten Digitalkamera auf eine hochwertige Optik zu achten, also eine gute Lichtstärke des Objektivs und einer guten Feinabstimmung der kamerainternen Komponenten, um so hochwertige Aufnahmen zu erzielen. Wer dennoch gerne in hoher Auflösung schießt, ist mit den größeren Bridgekameras oder digitalen Spiegelreflexkameras besser beraten, die allein durch ihre großzügigeren Abmessungen mehr Platz für einen großen Sensor und eine hochwertige Optik lassen.

Es ist ersichtlich, dass der Trend, in immer kleinere Kameras immer mehr Megapixel zu stopfen, hauptsächlich ein Marketing-Trick ist, der den Verbrauchern suggerieren soll: "Mehr Megapixel = mehr Auflösung = bessere Bildqualität". Wünschenswert wäre es, wenn die Kamerahersteller mehr Energie in die Entwicklung sinnvollerer Verbesserungen legen würden, wie guten Bildstabilisatoren, reduziertem Rauschverhalten und guten Zoomoptiken.





INTERESSANTES ZUM THEMA

6Mpixel.org: "Weniger ist mehr"
Die Firma Image Engineering, die ein unabhängiges Testlabor für Digitalkameras betreibt, hat die Initiative 6Mpixel.org ins Leben gerufen. Die Webseite kritisiert den aktuellen Megapixelwahn, der zu einer immer schlechteren Bildqualität führe, und zeigt auf, warum kleine Sensoren mit nur 6 Megapixel meist die besseren Bilder liefern.





Was denken Sie über den Megapixelwahn? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!


MEINUNGEN

12 Megapixel von winni (31.08.2007):
Ich fotografiere immer noch mit meiner guten alten Canon G3 (4 Megapixel) und bin super zufrieden mit der Bildqualität.
Es gibt nichts schlimmeres als Kameratests, bei denen 50% der Bewertungspunkte für Austattung und Pixelzahl vergeben werden. 85% müssen ausschließlich für Bildqualität vergeben werden.

Megapixelwahn von Weyrich (02.09.2007):
Der Vorteil liegt für den Verbraucher darin, dass sich genug Normalos mit jeder Menge Pixel eindecken, hierfür auch bezahlen und hierdurch der Preis für gleichwertige gute Kameras günstiger wird. Mehr Pixel nicht gleich bessere Bilder.

Megapixelwahn von Gernot Liebau (20.09.2007)
Ich sehe es auch so, daß der Megapixelwahn als Marketing-Trick den unkritischen Käufern glaubhaft machen will, die Anzahl der Bildpunkte sei mit Bildqualität gleichzusetzen. Auf einer mir vorliegenden Vergrößerung 20 x 30 cm aus einem 3-Megapixel-Foto kann ich selbst bei genauem Hinsehen nicht die einzelnen Punkte erkennen!
Die 5-MP-Kamera meiner Tochter habe ich auf 3 MP eingestellt, da das Zwergen-Objektiv die 5 MP höchstens bei Weitwinkel gerade eben ausnutzt. Und Poster mit der Lupe zu betrachten, das scheint mir in die falsche Richtung zu gehen.
Meine Canon EOS 300D würde ich höchstens gegen eine mit Vollformat-Sensor tauschen.

12MP von Jiri (12.10.2007):
In dem obigen Beitrag wurde eigentlich alles gesagt bzw. die Sache auf den Punkt gebracht.
Allerdings sind viele Megapixel schon wünschenswert, wenn auch die CCDs in den Kompaktkameras entsprechend mitwachsen würden - was sie leider nicht tun. Aber es kommt schlimmer: einige Hersteller haben es sogar fertig gebracht, 10 bzw. 12 MP auf ein 1/2.5 CCD zu pressen (also der Trend nach noch kleiner geht)! Hier feiert der Schwachsinn seinen Endsieg!
Eine kompakte Kamera mit einem etwa 2/3" großen CCD, wie es für 6 bis 8 MP schon die wünschenswerte Größe wäre, bietet meines wissens leider kein einziger Hersteller an (bzw. nicht mehr an). Da machen selbst die einstigen analogen Top-Marken wie z.B. Leica (gebaut von Panasonic) und Voigtländer keine Ausnahme! (shame, shame, shame....)
Mein Tip in dem ganzen MP-Wahn: "6" MP sind bei den Kompakten und ihren viel zu kleinen CCDs das gute techn. Mittelmaß des Machbaren und da sollte der besagte CCD mind. 1/1.8" - 1/1.7" oder größer sein.

Optik am Limit von C. Helmbold (13.10.2007)
Zu den Punkten im Text kommt noch, dass die Optiken der Kameras nicht mal annähernd diese Auflösung schaffen könnten. Bei der Sensorgröße kann man sich ja mal ausrechnen, welche Auflösung die Objektive erzielen müssten und mit dem Auflösungsvermögen sehr guter Objektive für Spiegelreflexkameras vergleichen - man wird feststellen, dass selbst Spitzenobjektive nicht genug Details auf so einen kleinen Sensor abbilden würden.
Auf http://www.6mpixel.org/ wird die Meinung vertreten, dass bei Kompaktkameras die beste Auflösung (bei der üblichen Sensorgröße) 6 Megapixel ist.

Dithering
von Praktiker (05.11.2007)
Die 12MP sind der Ersatz für ein RAW-Format bei kleiner Bildgröße. Die Ausdehnung der Artefakte wird relativ zur Bildgröße kleiner.
Außerdem kann man beim Verkleinern (durch Mittelung) eine höhere Farbtiefe erreichen. Aber in Wirklichkeit finde ich diese Entwicklung gar nicht gut.

Megapixelwahn von Ail (11.11.2007)
Netter Versuch von "ETEST FORUM", die Benutzer bzw. Käufer von zur Zeit erhältlichen Digitalkameras über den Megapixelwahn aufzuklären.
Ob es was bringt ist wohl fraglich, denn die werbeträchtige MEGAPIXELZAHL hat sich nun einmal bei allen Prospekten und Angeboten eingebürgert und durchgesetzt, auch Werbeflyer von sogenannten Fotofachhändlern stehen dem in nichts nach! Die Angabe Anzahl der Megapixel im Vergleich zur Sensorgröße sollten, zumindest Fotofachhändler, für nötig halten.

Megapixelwahn von Fredo (27.11.2007)
Natürlich ist es für die Industrie einfach, hochauflösende Kameras zu verkaufen, solange die meisten Leute hinter Pixel herlaufen wie die Lemminge. Das gleiche passiert doch immer noch auch mit Druckern oder Scannern. Ein Farb-Tintenstrahldrucker mit einer Auflösung von 9.600 x 2.400 dpi erhält in einem aktuellen Internet-Test immerhin eine Durchschnittsnote von 1,8 und ist neu ab € 69,90 zu haben.
Wenn man den Druck in der Zeitschrift GEO im 80er Raster zugrunde legt, muss ich hierfür eine Vorlage mit 400 dpi einscannen. Ein billiger Tintenstrahler mit 9.600 dpi bringt aber eine Auflösung, die 24x höher liegt. Warum stellt Gruner und Jahr dann so schlechte Druckmaschinen hin und macht sich so viel Arbeit vor dem eigentlichen Druck? Die könnten das doch auch viel einfacher haben.

Vorsprung der Technologie von Nick (09.12.2007)
Letztendlich ist die Aussage "mehr Megapixel = schlechtere Bildqualität" Schwachsinn, da hierdurch ein komplexer Zusammenhang pauschaliert wird. Megapixel sind nunmal nicht  gleich Auflösung und das Bildrauschen und sonstige Artefakte hängen nicht nur von der Pixelgrösse, sondern auch von der Sensortechnologie und den Verarbeitungsalgorithmen ab.
Die Aussage, neuere Digitalkameras mit 12 Megapixel hätten eine schlechtere Bildqualität wie solche mit 6 Magapixeln, wird von Testergebnissen verschiedener Fotozeitschriften genauso widerlegt wie der Versuch, irgendwelche sinnvollen Grössen für Kompaktkameras, z.B. mögliche Megapixelzahl oder Beugungsgrenze, festzulegen.
Auch sollte man bedenken, dass 12 Megapixel nur die in etwa doppelte Auflösung wie 3 Megapixel haben und man für Posterausdrucke und Ausschnittsvergrösserungen mehr Megapixel haben sollte. Im übrigen werden auch die Sensoren bei DSLRs kleiner, ohne jedoch hinsichtlich Bildqualität schlechter zu werden.

12 MP Digitalkameras = Datenmüll?
von Dr. Jürgen Wallner-Korf (16.01.2008)
Vielleicht hilft in der Megapixel- und Datenmülldiskussion dieser für mich aufschlussreiche Online-Beitrag weiter. Pixelmania - Irrweg der Digitalfotografie?
Gefunden bei: http://www.badenhausen.net/rolf-badenhausen/Pixelmania.htm
Mfg Dr. Jürgen Wallner-Korf

Wahnsinn von Gesa (28.01.2008)
Ich werde mir mit Sicherheit keine neue Digitalkamera mehr kaufen, wenn nicht der Pixelwahn endlich aufhört.
Habe meine Ixus 400 seinerzeit nur verkauft, weil sie ziemlich langsam war. Die Bildqualität war hervorragend!!

Und wer liest das??? von nufan (11.03.2008)
Die Leute, die viel fotografieren, wissen das. Das sind auch die Leute, die solche Artikel lesen. 
Die Leute, die auf die Megapixel reinfallen, lesen leider solche Artikel nicht....

Pixelwahn von Müller Robert (06.05.2008)
Bereits bei 7 mP stellte ich bei Kompakt-Digicams einen grossen Verlust an Bildqualität fest in Bezug auf Rauschen, Kontrast und Farbwiedergabe. Besonders schlimm bei der mit "Bildqualität pur" beworbenen Samsung NV 7. Die kleine Samsung NV 3 ist im Kontrast noch schlechter und glänzt obendrein mit einem katastrophalen Weissabgleich. Meine 6 Jahre alte Minolta Dimage ist da um Klassen besser. Die "modernen" Samsungkameras habe ich daher in Zahlung gegeben bzw. verschenkt.

Pixelwahn von Piet der Taster (01.06.2008)
Na ja, mit der Ixus 400 habe ich mir immer wieder mehr Pixel für Ausschnittsvergrößerungen bei Makroaufnahmen gewünscht!
Nun müllert ein Zahnrädchen beim Objektivausfahren und ich suche ziemlich vergeblich nach einem adäquatem Ersatz: Die neue Lumix DMC FX 500 z.B. gebe ich jedenfalls gleich wieder zurück - kein Vergleich zur Bildschärfe, Farbwiedergabe (leichter Grünstich), sowie (für meinen Geschmack) zu großes Bildrauschen.... kein Vergleich zur Ixus 400!
Hat wer eine Idee, was denn da nun vernünftigerweise als Ersatz in Frage kommt?

 
 
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