Das Ende des Jahres ist für das Fotografen-Auge eine eher unerfreuliche Zeit. Spätestens wenn der erste Novembersturm das letzte Herbstlaub und damit die letzten Farbtupfer aus der Landschaft gefegt hat, taugen die verbliebenen Motive höchstens als Titelbild für einen Artikel über Depressionen. Was bleibt, sind die Nächte – und die werden ja zum Glück gerade immer länger. Während man tagsüber sein Motiv annähernd so sieht, wie es später auf dem Foto zu sehen ist, erfordert das Fotografieren bei Nacht eine abstraktere Sicht auf die Dinge. Die Ergebnisse weichen oft sehr von dem ursprünglichen Eindruck ab. Genau diese Entfremdung macht aber die Faszination der Nachtfotografie aus.
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Die Ausrüstung
Das zentrale Gestaltungselement in der Nachtfotografie ist die Langzeitbelichtung, also eine Belichtungsdauer von mehreren Sekunden oder Minuten, in denen die Kamera nicht bewegt werden darf. Wichtig ist also ein Stativ, das das Stillhalten übernimmt. Um verwacklungsfrei auszulösen, sollte man auf einen Fernauslöser oder die Selbstauslöser-Funktion zurückgreifen. Denn schon das Drücken des Auslöseknopfes bewirkt in den meisten Fällen eine so starke Verwacklung, dass es später auf dem Bild sichtbar ist. Wichtig – und erfahrungsgemäß immer wieder unterschätzt – ist warme Kleidung, denn im Gegensatz zu einem normalen Foto-Spaziergang bewegt man sich kaum, sondern steht die meiste Zeit neben der Kamera und wartet auf das Ende der Langzeitbelichtung. Auch eine Taschenlampe sollte nie fehlen. Wenn sich ein externer Blitz in Ihrer Ausrüstung finden lässt, sollten Sie den auch einpacken.
Die Kamera
Die Nachtfotografie basiert auf dem Einfangen von kleinen Lichtmengen. Damit bei wenig Umgebungslicht eine Lichtmenge zusammenkommt, die ausreicht, dass etwas auf dem Foto zu sehen ist, bleibt der Verschluss der Kamera einfach länger offen. Darum sollte an Ihrer Kamera zumindest die Belichtungszeit und die ISO-Empfindlichkeit manuell einstellbar sein. Auch ein manueller Fokus ist von Vorteil, denn fast jeder Autofokus verweigert bei Dunkelheit den Dienst.
Die Programmautomatik "Nacht", die inzwischen in jeder Kompaktkamera zu finden ist, können Sie für die klassische Nachtfotografie wahrscheinlich nicht benutzen. Die meisten Programme dieser Art greifen auf die sogenannte Langzeitsynchronisation zurück, d.h. sie belichten zwar etwas länger, blitzen aber das zentrale Motiv aus, damit dieses auf Porträt-Niveau belichtet ist.
Falls Ihre Kamera Belichtungsreihen aufnehmen kann, können Sie diese später zu HDR-Fotos (Hochkontrastfotos) zusammenfügen.
Die Grundeinstellungen
Als erstes sollten Sie bei Ihrer Kamera eine niedrige ISO-Empfindlichkeit einstellen. Zum einen ist in dieser Einstellung bei den meisten Digitalkameras das Rauschverhalten am besten. Zum anderen können die meisten Kameras dort den größten Dynamikumfang vorweisen, also ein besonders breites Spektrum von hellen und dunklen Bildbereichen.
Dann sollten Sie bei Ihrer Kamera die Blendenautomatik (Av oder A) wählen. So können sie manuell eine Belichtungszeit einstellen und die Kamera sucht die dazu passende Blende aus. Wenn sie mehr Kontrolle über das Bild wollen, können sie natürlich auch im manuellen Modus fotografieren. Grundsätzlich gilt, dass man – für gleichbleibende Helligkeit auf dem Bild – die Belichtungszeit verdoppeln muss, wenn man die Blendenzahl um eine Stufe erhöht. Der große Vorteil der digitalen Fotografie ist, dass Sie sich an die gewünschte Belichtung herantasten und das Ergebnis auf dem Monitor kontrollieren können.
Als kleine Korrekturhilfe: Wenn das Bild zu dunkel ist, muss die Belichtungszeit bei gleicher Blende länger bzw. die Blende bei gleicher Belichtungszeit größer sein (nicht vergessen: kleinere Blendenzahl = größere Blende. Wer mehr darüber wissen will, werfe einen Blick auf unseren Fototipp zur Makrofotografie. Wenn Sie zum Beispiel eine Straßenlaterne fotografieren und auf dem Foto nur die Laterne selbst zu sehen ist, aber nicht die Straße darunter, obwohl die nur unwesentlich dunkler ist, probieren Sie es mit einer längeren Belichtungszeit oder größeren Blende.
Achten Sie darauf, wo auch immer Sie sich positionieren, dass der Untergrund wackelfrei ist! Befahrene Autobrücken vibrieren sehr stark und auch viel genutzte Fußgängerbrücken sind erfahrungsgemäß kein idealer Standort für Nachtaufnahmen.
Motive: Licht, Schatten und Bewegung...

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Auch wenn eine Vollmondnacht mit Nebel über den Wiesen ein wunderschönes Motiv sein kann: Der Reiz der Nachtfotografie geht in erster Linie von künstlichen Lichtquellen aus. In der Stadt finden sich dank der vielen Lichter viel mehr Motive als auf dem Land.
Die Nacht beginnt mit der Dämmerung. Die blaue Stunde ermöglicht es, alle Techniken der Langzeitfotografie anzuwenden, ohne dass dunkle Bereiche komplett schwarz absaufen, wie es bei dunkler Nacht der Fall ist. Der Himmel ist dann dunkelblau, während alle künstlichen Lichtquellen strahlen.

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Ein äußerst beliebtes Motiv und eigentlich überall verfügbar sind die Lichtstreifen von Fahrzeugen. Ob man sich auf eine Autobahnbrücke stellt oder in den Bahnhof setzt: Bewegte Objekte sind immer wieder gut in Szene zu setzen und vor allem leicht zu finden. Besonders effektvoll wirkt ein stillstehendes Motiv vor einem dynamischen Hintergrund, wie eine Sitzbank vor einem anfahrenden Zug oder ein angelehntes Fahrrad vor einer viel befahrenen Straße.
Andere beliebte Quellen für Lichtstreifen-Motive sind startende Flugzeuge (zu finden in den Einflugschneisen jedes Flughafens) oder die Fahrgeschäfte auf Jahrmärkten, die besonders wegen Ihrer Farbenpracht zu empfehlen sind.
Weniger dynamisch, aber genauso effektvoll sind beleuchtete Gebäude. Jede Stadt, die etwas auf sich hält, leuchtet mindestens einige Stunden nach Sonnenuntergang ihre Sehenswürdigkeiten an. Auch Industriegebiete haben einen faszinierenden, morbiden Charme. Häfen und Brücken haben wegen der sich spiegelnden Wasserflächen besonders viel Licht zu bieten. Auch der kleinere Maßstab sollte nicht vernachlässigt werden: Das Fenster der Eckkneipe oder die beleuchteten Buden auf dem Weihnachtsmarkt können gemütlich aus der Dunkelheit strahlen.
Ein weiterer Vorteil der Langzeitbelichtung ist, dass bewegte Objekte verschwinden oder nur verschwommen zu sehen sind. Wenn sie zum Beispiel eine Sehenswürdigkeit oder einen Platz fotografieren wollen und sich tagsüber über die unfotogenen Touristenmassen davor geärgert haben, versuchen Sie es zu später Stunde erneut: Durch die längere Belichtungszeit sieht man nur den geisterhaften Bewegungsschatten der Silhouetten, oder sie verschwinden durch die lange Belichtungszeit ganz.

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Einfach ausprobieren...
Für die Experimentierfreudigen: Um ein nahes und nicht zu großes Motiv in Szene zu setzen, können Sie es mit der Taschenlampe anleuchten. Meistens gelingt das nicht ganz regelmäßig und die Ergebnisse sind nicht genau vorhersehbar, aber mit etwas Übung sind schöne Effekte möglich.
Auch nächtliche Porträt-Sessions lassen sich auf diese Weise gut umsetzen. Durch kurzes Anleuchten mit einer starken Taschenlampe oder einem externen, in der Hand ausgelösten Blitz können Sie – passend zu Halloween – Fotos von transparenten Menschen machen. Dafür muss Ihr "Geist" nur darauf achten, dass er im vorfokussierten Bereich steht und dass er danach schnell wieder aus dem Bildausschnitt verschwindet. Kleiner Vorteil dieser Methode: Sie brauchen nicht zwingend ein Modell, sondern können – lange Belichtungszeit sei Dank – selbst vor die Kamera treten. Sogar mehrmals. Wenn Sie aber vor der Kamera stehen und sich in verschiedenen Posen selbst anblitzen, achten Sie darauf, dass nicht zu viele nächtliche Spaziergänger in der Nähe sind. Das wäre rufschädigend.