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Fotografie und Umweltschutz

01/2011 ·  Da liegt sie, die schicke neue Kamera. Die alte Kompakte verstaubt ab jetzt vergessen in der Schublade. Aber wo kommen die Edelmetalle her, was sollte mit ihnen passieren und ist bei der Herstellung alles mit rechten Dingen zugegangen? Wir wagen zum neuen Jahr ein paar Denkanstöße zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit in der Fotografie.

In den Kühlschränken halten zunehmend Produkte mit dem Aufdruck „Bio“ Einzug, Kaufentscheidungen für große Elektronutzgeräte werden nicht zuletzt im Hinblick auf den Stromverbrauch gefällt und laut dem statistischen Bundesamt werden wieder mehr Fahrräder verkauft. Ergo: das Umweltbewusstsein steigt.
Das scheint jedoch in erster Linie regelmäßig konsumierte Güter und Nutzgegenstände zu betreffen, sei es aus Kosten-, Gewissens- oder Wohlfühlgründen. Das Hobby ist bei solchen Überlegungen meist ausgeklammert. Denn hier siegt erfahrungsgemäß die Leidenschaft über alle anderen Kriterien. Wer will bei seiner schicken neuen Kamera schon daran denken, wo die Metalle herkommen, wo sie in ein paar Jahren recycelt werden und ob bei der Herstellung alles mit rechten Dingen zugegangen ist? Wir wagen zum neuen Jahr ein paar Denkanstöße zum Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit in der Fotografie.

© Brux - Fotolia.com

Technisch immer auf dem neuesten Stand…
Die Erneuerungszyklen technischer Geräte in Privathaushalten werden immer kürzer. Das gilt auch für Digitalkameras. Ihre durchschnittliche Nutzungsdauer ist zwar nach wie vor länger als die von Handys, doch sind wohl die wenigsten Fotografen mit den sechs Megapixeln und den zwei Sekunden Auslöseverzögerung ihrer alten Digitalkamera zufrieden.
Wie bei allen Elektrogräten fällt bei der Entsorgung von Digitalkameras Elektroschrott an. Dieser hat insgesamt laut Untersuchungen zur WEEE („Waste Electrical and Electronic Equipment“, der Richtline zur Elektromüllvermeidung in der EU) in Europa im Jahr 2009 im Vergleich zu 2008 um 30% auf 2 Millionen Tonnen zugenommen. Die Recycling-Quote von Elektroschrott lag in Deutschland laut Greenpeace 2008 bei nur 25%.

Ein Lager für Edelmetalle…
Für Digitalkameras gilt das gleiche wie für jedes Objekt, das nicht mehr genutzt wird, sei es nun Papier, Elektroschrott oder Glas: Was nicht dem Recycling zugeführt wird, kann nicht wiederverwertet werden. Wie man dem Recyclingmagazin (01.2010) entnehmen kann, werden allein bei Handys in Schubladen verstaubende 1.800 Tonnen Silber, 170 Tonnen Gold und 70 Tonnen Palladium vermutet.
Ein anderes Metall, der beim Stichwort Ressourcen-Sparsamkeit bedacht werden sollte, ist Coltan. In fast allen technischen Geräten – auch in Digitalkameras – ist dieses seltene Erz unverzichtbar. Abbaugebiete befinden sich primär im Ost-Kongo. Diese Region ist durch Bürgerkriege stark destabilisiert. Der Kampf um die wertvollen Minen stellt einen weiteren Unruhefaktor dar. Teils dienen sie als Einnahmequelle für Warlords, die damit ihre Waffen finanzieren. Die unsichere Lage hat zur Folge, dass Coltan zum Teil unter nahezu unkontrollierbaren Bedingungen abgebaut wird. Konkret bedeutet das Zwangs- und Kinderarbeit, die großflächige Zerstörung von Regenwald und Vergiftung der Gewässer, mit entsprechenden Folgen für Mensch und Tier. Für den Handel war es lange kaum nachvollziehbar, aus welcher Quelle das seltene Erz stammt. Angesichts wachsender Märkte und knapper Mengen ist das für die Industrie auch zweitrangig – obwohl Hoffnung besteht, dass sich das Vorgehen der Elektro-Hersteller mit Blick auf das wachsende Umweltbewusstsein der Kunden langsam ändert.

Corporate Social Responsibility der großen Marken…
Viele große Firmen haben sich inzwischen eine Selbstverpflichtung (Corporate Social Responsibility, kurz CSR) über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus auferlegt, zum Beispiel die faire Behandlung von Arbeitnehmern in Billiglohnländern und Umweltschutz betreffend. Diese finden sich meistens in der Internetpräsenz der Firmen. Eine Normung gibt es für diese Selbsterklärungen aber nicht, aus diesem Grund fehlt eine gesetzliche Verbindlichkeit. Will man also herausbekommen, wie es ein Hersteller mit dem Umweltschutz hält, ist die CSR-Erklärung zwar besser als nichts, aber nur ein Anfang. Sicherer kann man sich bei Untersuchungen rennomierter Institutionen, zum Beispiel Stiftung Warentest oder Greenpeace, sein. Laut dieser beiden stehen von den großen Digitalkamera-Anbietern Samsung, Sony und Nikon ganz oben auf der Liste verantwortungsbewusster Unternehmen.

Die Ausrüstung…
Bei den umweltbewussten Fototaschen ist der Hersteller Lowepro Vorreiter. Die Terraclime-Serie besteht z.B. aus 95% recyceltem Material. Der Fotorucksack-Reihe Lowepro Primus AW ist sogar aus 100% Cyclepet-Material gemacht, also aus alten Pet-Flaschen. Mit 10% der Einnahmen aus der Primus-AW- und der Terraclime-Reihe wird außerdem ein Eisbären-Schutzprogramm unterstützt.