Der Graufilter (ND-Filter) – Langzeitbelichtung trotz Sonnenschein
05/2011 · Lange Belichtungszeiten am Tag und milchige, glatte Wasserflächen... für gewisse Effekte ist ein Neutralgraudichtefilter ein Muss. Immer, wenn es – selten genug – zuviel Licht fürs Fotografieren gibt, kommt er zum Einsatz. Auch im Zeitalter der digitalen Fotografie hat er seine Daseinsberechtigung alles andere als verloren. Im Gegenteil: gerade jetzt, wo weder in Film noch Entwicklungszeit investiert werden muss, lädt der ND-Filter zum Ausprobieren ein.
Hier wollen wir uns dem seltenen Problem der zu kurzen Belichtungszeiten widmen.
Jeder, der schon mal fotografiert hat, wird das Problem kennen, dass die von der Kameraautomatik eingestellte Belichtungszeit zu lang ist – es also verwackelte Bilder gibt, weil man die Kamera nicht so lange still halten kann.
Normalerweise tut man alles dafür, um die Belichtungszeit so kurz wie möglich zu halten. Was nichts anderes bedeutet als: die für eine korrekte Belichtung nötige Lichtmenge so schnell wie möglich auf den Aufnahmesensor zu bekommen.
Doch auch anders herum können Probleme auftauchen. Für einige Effekte kann es zuviel Licht geben. Manchmal möchte man länger belichten. Da hilft der Neutralgraudichtefilter. Dabei handelt es sich um einen Filter oder eine Folie, die vor das Objektiv gedreht/gespannt wird. Sie ist eingeschränkt lichtdurchlässig, ähnlich wie eine Sonnenbrille, dabei aber farblich neutral.
Manchmal will man eine längere Belichtungszeit, um die Bewegungen von Motiven verschwimmen zu lassen. Wasser z.B. sieht bei längeren Belichtungszeiten wie eine glatte, milchige Oberfläche aus. Solche Fotos hat wohl inzwischen jeder einmal gesehen:
Ebenfalls ein guter Trick ist es, mit dem ND-Filter Architektur oder Sehenswürdigkeiten zu fotografieren: durch die verlängerten Belichtungszeiten verschwimmt alles, was sich bewegt. Dadurch stehen die Gebäude, Plätze etc. scharf da, während die Menschen nur geisterhaft erkennbar sind – es sei denn, sie haben sich zufällig auch nicht bewegt.
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Auch in der frühen Dämmerung kann ein Neutralgraudichtefilter helfen, die Leuchtstreifen durch Bewegungsunschärfe von beleuchteten Motiven (z.B. Autos, Flugzeuge, Fahrgeschäfte auf Volksfesten) einzufangen, ohne dass das charakteristische Tiefblau zu langweiligem Hellblau verkommt.
Ein weiteres Beispiel für zuviel Licht ist das Fotografieren mit offener Blende. Eine offene Blende bedeutet, dass durch eine groß eingestellte Öffnung in kurzer Zeit eine große Lichtmenge auf den Aufnahmesensor fällt. Damit ist die für die optimale Belichtung nötige Lichtmenge schnell erreicht. Bei einer geschlossenen Blende, also einer kleineren Öffnung, ist die Belichtungszeit dann wieder länger. Doch die Blende betrifft noch einen anderen Effekt als die kurze Belichtungszeit: die Tiefenschärfe. Möchte man von Vorder- bis in den Hintergrund alles scharf haben, ist eine geschlossene Blende genau das richtige. Will man den Schärfepunkt jedoch selektiv legen und den Vorder- bzw. Hintergrund verschwimmen lassen, ist eine offene Blende nötig. Dafür ist an sonnigen Tagen aber gelegentlich zu viel Licht vorhanden.
Ganz wichtiger Tipp: ein Stativ verwenden! Denn die langen Belichtungszeiten sind auch für die ruhigste Hand nicht mehr still zu halten.
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