Vorteile, Nachteile und Besonderheiten von Bridgekameras
c) Bildqualität
Auch in puncto Sensor sind die Kameraklassen-Welten zusammengewachsen. Früher gab's große Sensoren für große Kameras und kleine Sensoren für kleine Kameras. Jetzt finden sich CMOS-Sensoren, die ursprünglich für Spiegelreflexkameras entwickelt wurden, in Kompakten. Und SLRs gibt es nun auch mit kleineren Sensoren, den Four-Thirds-Sensoren. Die Größe des Sensors ist – vereinfacht ausgedrückt – maßgebend für das Rauschverhalten in hohen ISO-Empfindlichkeiten. Je größer der Sensor, desto geringer die Wahrscheinlichkeit eines störenden Rauschen bei dunklen Aufnahmen.
In der Bridgekamera-Klasse tummeln sich sowohl Modelle mit CCD-Sensoren (wie bei den meisten Kompakten) als auch welche mit CMOS-Sensoren (wie bei den meisten Spiegelreflexkameras). Wer viel Wert auf eine gute Bildqualität legt, also einen hohen Dynamikumfang (sprich ein möglichst großes Spektrum an Helligkeitsstufen) und wenig Rauschen, sollte sich tendenziell an Kameras mit CMOS-Sensoren halten.
Ebenfalls wichtig für eine gute Bildqualität ist das RAW-Format. Die Möglichkeit, Bilder im RAW-Format zu speichern, ist bei Bridgekameras fast immer gegeben. Bei Kompakten ist diese Option nach wie vor nur selten zu finden. Normale JPEG-Bilder (das gängige Format) sind immer eine Interpretation der Sensor-Daten durch die kamerainterne Software. Dabei wird das Bild auch kleiner gerechnet, wodurch zwangsläufig Bildinformationen verloren gehen. Wer Wert auf maximale Bildqualität legt – und außerdem bereit ist, Zeit in die Nachbearbeitung am PC zu stecken – sollte seine Bilder im RAW-Format speichern. Beim RAW-Format (engl. raw – roh) handelt es sich um das digitale Pendant zum Filmnegativ. Bilder werden unbearbeitet und unkomprimiert abgespeichert; es handelt sich also um ein verlustfreies Format. Am PC werden die RAW-Bilder dann mit einem entsprechenden Programm "entwickelt", wobei das Rohdatenformat umfangreiche Möglichkeiten für die Bildbearbeitung zulässt. So lassen sich zum Beispiel gezielt Parameter wie Kontrast, Farbsättigung, Weißabgleich oder Schärfe einstellen. Freeware dazu gibt es reichlich im Internet. Bilder im RAW-Format sind jedoch recht groß (10 bis 20 MB pro Bild), d.h. es passen weniger Bilder auf die Speicherkarte. Auch können die Bildprozessoren der Kameras das RAW-Format nicht so schnell auf die Speicherkarte schreiben wie das komprimierte JPEG-Format. Trotzdem – das ist es wert. Wenn Sie je ein Motiv in der RAW- und in der JPEG-Version miteinander vergleichen konnten, werden sie nie wieder auf RAW verzichten wollen.

Halbstarker Seeadler im Wildpark Schwarze Berge. Parallele Aufnahme von JPEG (links)
und RAW (rechts), RAW-Bild leicht bearbeitet, Arbeitsaufwand ca. 5 Min.
Im Vergleich zur Bildqualität von Spiegelreflexkameras sieht die Bildqualität von Bridgekameras aber immer noch relativ schwach aus – selbst wenn man ein SLR-Einsteigermodell mit einem High-End-Bridgemodell vergleicht. Das ist auf die bessere (und teurere) interne Signalverarbeitung der Informationen vom Sensor zurückzuführen. Wichtiger sind aber die unter Punkt b) genannten Schwächen der Optik: Die Verzeichnung kann z.B. ein Motiv mit vielen geraden Linien (Architektur-Fotos) ruinieren und eine schlechte Auflösung im Telebereich macht bei vielen Motiven mit feinen Details auch die stärkste Telebrennweite nutzlos.
Verallgemeinernd lässt sich sagen, dass mit steigendem Preis auch die Bildqualität von Bridgekameras steigt. Wenn man als Fotograf aber ein bestimmtes qualitatives Niveau anstrebt, stellt die Bridgekamera-Klasse ab einem gewissen Punkt immer einen Kompromiss dar.
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